Healthcare-Marketing-Agentur finden: 8 Kriterien für Praxen, MVZ und Kliniken

Wenn die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Agentur scheitert, ähneln sich die Gründe: Anzeigen, die abgemahnt werden, Reportings voller Klicks und ein Empfang, der unter unpassenden Anfragen leidet. Damit Euch das erspart bleibt, hier die Kriterien, an denen Ihr eine gute Healthcare-Marketing-Agentur erkennt. Mit den Fragen, die Ihr im Erstgespräch stellen solltet.
Veröffentlicht am: 28.09.2026 | Zuletzt bearbeitet: 28.09.2026

TL;DR

Die Agenturauswahl auf einen Blick:
Erfahrung: Referenzen aus Praxen, MVZ oder Kliniken, idealerweise aus Eurer Fachrichtung.
Werberecht: Ein fester Freigabeprozess für Anzeigen und Landingpages.
Tracking: Ein Konzept ohne Gesundheitsdaten, abgestimmt mit dem Datenschutz.
Ziele: Reporting in Terminanfragen und Kosten pro Anfrage.
Kapazität: Budget und Kampagnen richten sich nach freien Terminen.
Konten: Werbekonten, Analytics und Tag Manager gehören der Einrichtung.
Warnsignale: Garantien, Rabattaktionen, Remarketing auf Behandlungsseiten und lange Laufzeiten ohne Ausstieg.

Die Anamnese

Eine gute Healthcare-Marketing-Agentur erkennt Ihr an acht Punkten: nachweisbare Erfahrung mit Praxen, MVZ oder Kliniken, ein fester Prozess für die werberechtliche Prüfung, ein Tracking-Konzept ohne Gesundheitsdaten, Ziele mit Terminen und Anfragen, Rücksicht auf Eure Kapazität, überprüfbare Qualifikationen, Konten in Eurem Besitz und transparente Kosten. Die meisten dieser Punkte lassen sich im ersten Gespräch mit wenigen Fragen klären.

Offen gesagt: Ich führe selbst eine Agentur, die Partner & Söhne in Mannheim. Die folgenden Kriterien lege ich auch an uns an.

Acht Kriterien und die passenden Fragen fürs Erstgespräch

KriteriumWoran Ihr es erkenntFrage fürs Erstgespräch
Healthcare-ErfahrungReferenzen aus Praxen, MVZ oder Kliniken, idealerweise aus Eurer Fachrichtung„Welche Einrichtungen und Fachrichtungen betreut Ihr aktuell?“
WerberechtEin beschriebener Freigabeprozess, Zusammenarbeit mit Jurist:innen„Wie prüft Ihr Anzeigen und Landingpages auf HWG-Konformität?“
Datenschutz im TrackingEin Konzept, das Gesundheitsdaten ausschließt und mit dem DSB abgestimmt wird„Welche Daten überträgt Euer Setup an Google und Meta?“
Ziele in TerminenReporting mit Anfragen je Leistung und Kosten pro Anfrage„Welche Kennzahlen stehen im monatlichen Report?“
KapazitätsdenkenDie Agentur fragt nach Terminkalender, Personal und Wunschleistungen„Was passiert mit dem Budget, wenn unsere Termine ausgebucht sind?“
QualifikationÜberprüfbare Nachweise wie Google-Partner-Status oder Verbandsmitgliedschaften„Wer betreut unser Konto konkret, und welche Erfahrung hat diese Person?“
KontoinhaberschaftWerbekonten, Analytics und Tag Manager laufen auf die Einrichtung„Wem gehören die Konten, wenn wir die Zusammenarbeit beenden?“
Transparente KostenMediabudget und Honorar getrennt ausgewiesen„Wie setzt sich Euer Honorar zusammen, und was geht direkt an Google?“
Eine Checkliste für die Agenturauswahl im Gesundheitswesen.

Warum Healthcare-Erfahrung so schwer wiegt

Eine Agentur, die Online-Shops erfolgreich betreut, bringt viel Handwerk mit. Im Gesundheitswesen fehlen ihr häufig drei Dinge: die Routine im Werberecht, ein Gefühl für die Situation von Patient:innen und das Verständnis für Praxisabläufe. Die Folgen zeigen sich schnell: Anzeigen, die abgelehnt oder abgemahnt werden, Tracking, das mehr überträgt als erlaubt, und Kampagnen, die den Empfang mit unpassenden Anrufen überlasten.

Mein eigener Weg führte über zehn Jahre in der Pflege ins Marketing. Diese Zeit hilft mir bis heute, Kampagnen aus der Sicht von Patient:innen und Praxisteams zu bewerten. Jede Agentur sollte zeigen können, dass sie den Alltag in einer Praxis versteht.

Warnsignale

  • Garantien: „Platz eins bei Google“ oder „50 Neupatient:innen im Monat“ kann niemand seriös versprechen.
  • Werberechtlich riskante Vorschläge: Vorher-Nachher-Kampagnen, Rabattaktionen oder Erfolgsversprechen in Anzeigen.
  • Remarketing auf Behandlungsseiten: Ein klares Zeichen, dass Datenschutz und Google-Richtlinien nicht mitgedacht werden.
  • Konten im Besitz der Agentur: Beim Wechsel verliert Ihr Daten, Historie und Lernfortschritt der Kampagnen.
  • Reporting nur mit Klicks und Reichweite: Ohne Anfragen und Kosten pro Anfrage lässt sich der Erfolg nicht bewerten.
  • Lange Laufzeiten ohne Ausstieg: Gute Agenturen halten ihre Kunden über Ergebnisse.

Spezialist:in oder Generalist:in?

Für Einrichtungen mit klarem Healthcare-Fokus spricht viel für eine spezialisierte Agentur. Sie bringt freigegebene Formulierungen, erprobte Kampagnenstrukturen und ein Tracking-Konzept mit, das für das Gesundheitswesen funktioniert. Das spart Zeit und Feedback-Schleifen.

Eine breiter aufgestellte Agentur kann sinnvoll sein, wenn sie nachweislich Healthcare-Projekte betreut und die Einrichtung zusätzlich andere Themen hat, etwa einen Onlineshop für Pflegeprodukte oder eine Kampagne für ein Gesundheitszentrum mit Fitnessangebot. Entscheidend ist, dass die Person, die Euer Konto betreut, die Regeln des Gesundheitswesens kennt.

Was kostet Google Ads für Praxen, MVZ und Kliniken?

Die Kosten bestehen aus zwei Teilen: dem Mediabudget, das direkt an Google oder andere Plattformen geht, und dem Honorar der Agentur. Seriöse Angebote weisen beides getrennt aus. Die Höhe hängt von Anzahl der Leistungen und Standorte, vom Wettbewerb in der Region und vom Umfang der Betreuung ab.

Mediabudget

Nach oben gibt es beim Mediabudget keine feste Grenze. Entscheidend ist, dass die Kampagnen nachweislich Terminanfragen zu einem wirtschaftlich sinnvollen Preis liefern. Wirtschaftlich sinnvoll heißt: Pro Termin bleibt nach Abzug der anteiligen laufenden Kosten und der Akquisekosten eine Marge übrig.

Marge pro Termin = Umsatz − anteilige laufende Kosten − Akquisekosten

In der Regel starten wir mit rund 50 Euro pro Tag, also etwa 1.500 Euro im Monat. Darunter wird es schwierig, weil Google Ads eine Mindestzahl an Conversions braucht, um die Lernphase abzuschließen.

Welche Budgetspanne im Einzelfall realistisch ist, hängt vor allem von vier Faktoren ab:

  • Fachrichtung
  • Kassenleistung oder reine Privatleistung
  • Wettbewerbsumfeld vor Ort
  • Umfang der Leistungen, die beworben werden sollen

Budget und Kampagnenstruktur müssen zusammenpassen. 50 Euro am Tag, verteilt auf eine Kampagne mit 20 Anzeigengruppen, funktionieren in der Praxis nicht: Einzelne Themen bekommen dann schlicht kein Budget ab. Je seltener eine Terminart gesucht wird, desto eher lohnt sich eine eigene Kampagne mit eigenem Budget. So verhindert Ihr, dass die Evergreen-Themen das gesamte Budget aufbrauchen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Bei einer orthopädischen Privatpraxis, die wir betreuen, liegt das Mediabudget inzwischen im fünfstelligen Bereich pro Monat. Die Kampagnen arbeiten profitabel und die Praxis ist ausgelastet, aber nicht überlastet.

Agenturkosten

Zum Mediabudget kommen die Agenturkosten für die Betreuung. Bei uns beginnen sie monatlich ab 1.200 Euro zzgl. gesetzlicher Umsatzsteuer. Maßgeblich für die Höhe ist der Leistungsumfang. Ob Einzelpraxis, MVZ oder Klinik, spielt dafür eine untergeordnete Rolle. Eine vollständige Preis- und Leistungsübersicht findet Ihr unter partnerundsoehne.de/preise.

Lohnt sich das für Eure Praxis?

Ob sich Google Ads rechnet, lässt sich vorab gut abschätzen. Die zentrale Größe sind die maximal vertretbaren Akquisekosten pro Termin. Dafür braucht Ihr drei Werte:

  • den durchschnittlichen Umsatz pro Termin (bei Behandlungsserien den Umsatz pro Patient)
  • die anteiligen laufenden Kosten
  • den Anteil der Terminanfragen, aus denen tatsächlich ein wahrgenommener Termin wird

Ein vereinfachtes Beispiel: Eine Privatleistung bringt 300 Euro Umsatz, die laufenden Kosten liegen bei 150 Euro. Pro Termin bleiben also 150 Euro Marge. Bei 1.500 Euro Mediabudget und 1.200 Euro Agenturkosten braucht es 18 zusätzliche Termine im Monat, damit sich die Investition amortisiert. Jeder weitere Termin ist Gewinn. Kann Eure Praxis keine Vorsteuer abziehen, kommen 19 % Umsatzsteuer hinzu, dann liegt die Schwelle bei 22 Terminen.

Mit meinem kostenfreien ROI-Rechner für Healthcare Marketing könnt Ihr das mit den Zahlen Eurer Praxis durchspielen.

Meine Diagnose

Die richtige Agentur erkennt Ihr an konkreten Antworten auf konkrete Fragen. Wer Werberecht, Datenschutz und Praxisalltag selbstverständlich mitdenkt, in Terminen berichtet und Euch die Konten überlässt, ist ein guter Kandidat. Was eine Agentur im Gesundheitswesen überhaupt leisten sollte, beschreibe ich in Was ist Digital Healthcare Marketing?.

Wenn Ihr diese Fragen auch uns stellen wollt, meldet Euch über die Kontaktseite.

Max-Raphael Feibel

Über den Autor

Max-Raphael Feibel

Mitgründer und Geschäftsführer von Partner & Söhne in Mannheim. Davor über zehn Jahre als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger. Ich schreibe über Kampagnen, Tracking und KI und darüber, was davon im Alltag trägt.

FAQ

Häufige Fragen zur Wahl einer Healthcare-Marketing-Agentur

Woran erkenne ich eine gute Healthcare-Marketing-Agentur?

An nachweisbarer Erfahrung mit Praxen, MVZ oder Kliniken, einem festen Prozess für die HWG-Prüfung, einem Tracking-Konzept ohne Gesundheitsdaten, Reporting in Terminanfragen, Rücksicht auf die Kapazität der Einrichtung, überprüfbaren Qualifikationen, Konten im Besitz des Kunden und transparenten Kosten.

Welche Fragen sollte ich einer Agentur im Erstgespräch stellen?

Zum Beispiel: Welche Fachrichtungen betreut Ihr? Wie prüft Ihr Anzeigen auf HWG-Konformität? Welche Daten überträgt Euer Tracking an Google und Meta? Welche Kennzahlen stehen im Report? Wem gehören die Konten nach Vertragsende?

Brauchen Arztpraxen eine spezialisierte Agentur?

Für Einrichtungen mit klarem Healthcare-Fokus ist eine spezialisierte Agentur meist die effizientere Wahl, weil Werberecht, Tracking und Kampagnenstrukturen bereits erprobt sind. Wichtig ist vor allem, dass die betreuende Person die Regeln des Gesundheitswesens kennt.

Was kostet eine Healthcare-Marketing-Agentur?

Die Kosten setzen sich aus Mediabudget und Agenturhonorar zusammen und hängen von Leistungen, Standorten, regionalem Wettbewerb und Betreuungsumfang ab. Seriöse Angebote weisen beide Teile getrennt aus.

Was sind Warnsignale bei Marketing-Agenturen für Ärzt:innen?

Garantien für Rankings oder Patientenzahlen, Vorschläge für Rabattaktionen oder Vorher-Nachher-Werbung, Remarketing auf Behandlungsseiten, Werbekonten im Besitz der Agentur und Reportings ohne Anfragen.

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