10 Fehler bei medizinischen Landingpage-Texten
Das Wichtigste in Kürze
1. Der Text ist (nur) für Kolleg:innen geschrieben
Viele Landingpages stammen direkt aus der Feder der behandelnden Ärzt:innen oder wurden zumindest von diesen inhaltlich überarbeitet. Das sichert einerseits die fachliche Qualität, macht andererseits den Text schnell weniger zugänglich. „Therapie der symptomatischen Gonarthrose Grad III nach Kellgren-Lawrence“ ist eine präzise Formulierung. Die Patientin, die gerade „Knie schmerzt beim Treppensteigen“ gegoogelt hat, fühlt sich davon allerdings selten abgeholt und verstanden.
Fachbegriffe dürfen natürlich vorkommen. Sie brauchen nur eine zusätzliche Ebene der Übersetzung. Mein Test dazu ist einfach: Versteht jemand im Wartezimmer den Absatz, ohne nachfragen zu müssen?
2. Niemand steht erkennbar für den Inhalt ein
Gesundheitsthemen zählen bei Google zu den sogenannten YMYL-Inhalten (Your Money or Your Life), also Themen, die sich direkt auf Gesundheit und Lebensqualität auswirken können. Hier wird besonders genau hingeschaut, wer etwas schreibt und ob diese Person dafür qualifiziert ist.
„Ihr Praxisteam“ oder „Redaktion“ als Absender reicht dafür nicht aus. Name, Facharztbezeichnung, Foto und ein Link zum Profil schaffen Vertrauen, bei Suchmaschinen genauso wie bei Patient:innen. Wer sich zwischen zwei Einrichtungen entscheidet, will wissen, wer ihm am Ende gegenübersitzen wird.
3. Zu generisch, zu wenig transaktional
Wer über eine Anzeige oder eine konkrete Suche auf einer Landingpage landet, möchte in der Regel etwas tun: einen Termin vereinbaren, eine Behandlung einschätzen, eine Praxis auswählen. Das nennen wir transaktionalen Traffic, da die Transaktion im Vordergrund der Suchintention steht.
Trotzdem sehe ich regelmäßig Seiten, die zwei Drittel ihres Umfangs darauf verwenden zu erklären, was Arthrose ist. Dass die Praxis sie behandelt, wo sie liegt und wie man einen Termin bekommt, steht dann irgendwo auf der Seite und muss erst einmal gefunden werden. Die zentralen Fragen gehören nach oben: Was wird angeboten, für wen ist es geeignet, wo findet es statt und wie geht es jetzt weiter?
4. Zu viele Themen auf einer Seite
Knie, Hüfte, Schulter, Rücken, Stoßwellentherapie und PRP und alles auf einer Seite. Häufig sehe ich das bei Übersichtsseiten ohne weiterführende Verlinkung zu den Themen. Das wirkt umfassend, verwässert aber die Relevanz für jedes einzelne Thema.
Eine Seite sollte eine klare Suchintention bedienen können. Für Google Ads bedeutet das, dass Anzeigengruppe, Anzeigentext und Landingpage zusammenpassen. Für SEO bedeutet das, dass Suchmaschinen eindeutig erkennen, wofür diese Seite die beste Antwort ist. Und für Patient:innen bedeutet es, dass sie nicht erst nach relevanten Inhalten suchen müssen.
5. Heilversprechen und absolute Aussagen ohne Beleg
Dieser Punkt ist ein No-Brainer, aber ich diskutiere ihn dennoch regelmäßig mit unseren Mediziner:innen.
„Schmerzfrei nach drei Sitzungen.“ „Die schonendste Methode.“ „Garantiert ohne Nebenwirkungen.“
Solche Formulierungen sind im Gesundheitsbereich schlichtweg verboten. Das Heilmittelwerbegesetz (§ 3 HWG) stuft Werbung unter anderem dann als irreführend ein, wenn fälschlich der Eindruck erweckt wird, ein Behandlungserfolg könne mit Sicherheit erwartet werden. Das gilt auch für Aussagen, die einen Behandlungserfolg von vielen auf mich selbst implizieren, z.B. „schon 1000+ erfolgreiche Operationen“.
Hinzu kommen das UWG und die Gesundheitsrichtlinien der Werbeplattformen. Superlative ohne Nachweis sind damit gleich mehrfach problematisch.
In der Praxis helfen vorsichtige und ehrliche Formulierungen: „kann“, „bei vielen Patient:innen“, „je nach Befund“, idealerweise mit Verweis auf Studien. Das liest sich weniger spektakulär und ist deutlich glaubwürdiger. Im Zweifel gehört der Text vor der Veröffentlichung zu einer juristischen Prüfung.
6. Zu kurz
Drei Absätze, ein Foto und ein Kontaktformular. Für die Entscheidung über einen Eingriff ist das zu wenig.
Wer über eine Behandlung nachdenkt, möchte den Ablauf verstehen, Risiken und Alternativen kennen, die Ausfallzeit einschätzen und wissen, wie die Nachsorge aussieht. Die richtige Länge ergibt sich aus den Fragen, die beantwortet werden müssen. Bei medizinischen Themen sind das meist mehr, als man zunächst denkt. Seiten mit inhaltlicher Tiefe und echten Erfahrungswerten haben außerdem bessere Chancen, in AI Overviews und KI-Antworten aufzutauchen.
7. Strukturierte Daten werden nicht mitgedacht
Strukturierte Daten nach Schema.org helfen Suchmaschinen und KI-Systemen, Inhalte richtig einzuordnen: Wer hat den Text verfasst, wer hat ihn medizinisch geprüft, um welche Behandlung geht es, wo befindet sich die Praxis? Typen wie MedicalWebPage, Physician oder MedicalProcedure und Eigenschaften wie reviewedBy oder lastReviewed machen genau das maschinenlesbar.
Der Fehler passiert meist schon beim Schreiben. Wenn der Text keine klaren Angaben zu Autor:in, Leistung und Standort enthält, gibt es später auch nichts, das sich sauber auszeichnen lässt. Deshalb gehören strukturierte Daten bereits in jedes Content-Briefing.
8. Kosten und Ablauf werden verschwiegen
Gerade bei Selbstzahlerleistungen steht auf vielen Seiten nur „Preis auf Anfrage“. Das Ergebnis sind Anrufe, die das Praxisteam binden, und Interessent:innen, die lieber zur Konkurrenz mit transparenter Preisangabe wechseln.
Eine Preisspanne, ein Hinweis auf die Abrechnung nach GOÄ und eine klare Aussage dazu, ob und wann die Krankenkasse Kosten übernimmt, beantworten die wichtigste Frage vorab. Dasselbe gilt für den Ablauf: Erstgespräch, Diagnostik, Behandlung, Nachsorge. Wer weiß, was auf ihn zukommt, entscheidet sich leichter.
9. Die echten Fragen der Patient:innen fehlen
Die besten Inhalte für eine Landingpage finden sich oft am Empfangstresen. Brauche ich eine Überweisung? Wie lange bin ich nach dem Eingriff krankgeschrieben? Darf ich danach Auto fahren?
Wer in der Pflege gearbeitet hat, kennt das: Die wichtigsten Fragen werden oft erst gestellt, wenn der Arzt oder die Ärztin den Raum schon verlassen hat. Ein kurzes Gespräch mit dem Praxisteam liefert meist mehr brauchbares Material für einen FAQ-Bereich als jede Keyword-Recherche.
10. Einmal geschrieben, nie wieder angefasst
Leitlinien ändern sich, Behandlungsmethoden entwickeln sich weiter, Preise und Teams auch. Viele medizinische Landingpages stehen trotzdem seit Jahren unverändert online, ohne Hinweis darauf, wann sie zuletzt geprüft wurden.
Ein sichtbarer Vermerk wie „Medizinisch geprüft von Dr. X am [Datum]“ zeigt Aktualität und Verantwortung. Voraussetzung ist ein fester Rhythmus, in dem die Inhalte tatsächlich überprüft werden. Einmal im Jahr ist für die meisten Seiten ein guter Anfang.
Fazit
Ein guter medizinischer Landingpage-Text verbindet drei Dinge: fachliche Korrektheit, rechtliche Sorgfalt und echtes Verständnis für die Situation der Patient:innen. Die meisten Seiten, die ich sehe, erfüllen das erste Kriterium. An den beiden anderen scheitern sie erstaunlich oft. Meist liegt das daran, dass niemand die Seite konsequent aus der Perspektive der suchenden Person gelesen hat.
Wer die eigenen Landingpages auf diese zehn Punkte prüfen lassen möchte, erreicht mich über die Kontaktseite. Ich schaue mir die Seiten mit dem Blick aus Pflege, Werberecht und Performance Marketing an.
FAQ
Häufige Fragen zu medizinischen Landingpages
Was macht eine gute medizinische Landingpage aus?
Eine gute medizinische Landingpage beantwortet die Fragen der suchenden Person in deren Sprache, nennt eine verantwortliche Fachperson und macht den nächsten Schritt zum Termin leicht. Fachliche Korrektheit und die Vorgaben des Heilmittelwerbegesetzes sind dabei die Grundlage.
Was darf auf der Landingpage einer Arztpraxis laut HWG nicht stehen?
Aussagen, die einen sicheren Behandlungserfolg versprechen, etwa „schmerzfrei nach drei Sitzungen“ oder „garantiert ohne Nebenwirkungen“. Auch Superlative ohne Nachweis und Erfolgszahlen, die einen Erfolg für Einzelne nahelegen, sind problematisch. Vor der Veröffentlichung lohnt sich eine juristische Prüfung.
Wie lang sollte eine medizinische Landingpage sein?
So lang, wie es die Fragen zur Behandlung erfordern. Ablauf, Risiken, Alternativen, Ausfallzeit, Kosten und Nachsorge sollten beantwortet sein. Bei Eingriffen reichen drei Absätze fast nie aus.
Wie oft sollten medizinische Inhalte aktualisiert werden?
Mindestens einmal im Jahr und zusätzlich bei neuen Leitlinien, geänderten Preisen oder Personalwechseln. Ein sichtbarer Vermerk mit Datum und prüfender Person zeigt Aktualität.
