Warum Praxen in der KI-Suche unsichtbar sind und was sie ändern können
TL;DR
Die Anamnese
KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Gemini und die AI Overviews von Google nennen Praxen, die sie in mehreren vertrauenswürdigen Quellen übereinstimmend finden und deren Inhalte Fragen direkt beantworten. Unsichtbar bleiben Praxen meist aus drei Gründen: widersprüchliche Angaben im Netz, Leistungsseiten ohne klare Antworten und Ärzt:innen, die online kaum als Personen mit Qualifikation erkennbar sind.
Wie KI-Suche Praxen auswählt
Wer ChatGPT nach „Orthopäde für Sportverletzungen in Heidelberg“ fragt, bekommt keine Liste mit zehn blauen Links. Das System durchsucht im Hintergrund das Web, liest mehrere Quellen und fasst sie zu einer Antwort zusammen. Genannt wird, was in diesen Quellen häufig, konsistent und gut belegt vorkommt.
Woher diese Quellen kommen, verschiebt sich gerade. Anfangs stützte sich ChatGPT vor allem auf Suchergebnisse von Bing. Inzwischen baut OpenAI einen eigenen Suchindex auf, dafür durchsucht der eigene Crawler OAI-SearchBot das Web. Eine Auswertung von Peec AI vom September 2026 zeigt, dass ChatGPT Daten aus dem eigenen Index mit Ergebnissen externer Anbieter kombiniert und testet, den eigenen Index stärker zu gewichten. OpenAI selbst schreibt in der Hilfe zur ChatGPT-Suche nur, dass die Suche teilweise mit anderen Suchanbietern zusammenarbeitet. Für Praxen heißt das: Die Website sollte für OAI-SearchBot zugänglich sein, und ein gepflegter Eintrag bei Bing bleibt trotzdem wichtig.
Für Praxen bedeutet das: Eine gute Website ist die Grundlage. Zusätzlich gleichen KI-Systeme ab, was Google-Profil, Arztportale, Kammerverzeichnisse, Presseberichte und die eigene Website über eine Einrichtung sagen.
SEO und GEO im Vergleich
| Aspekt | Klassisches SEO | GEO (Generative Engine Optimization) |
|---|---|---|
| Ziel | Platzierung in der Ergebnisliste | Nennung oder Zitat in der KI-Antwort |
| Kleinste Einheit | Die einzelne Seite | Die einzelne Aussage und die Einrichtung als Ganzes |
| Wichtige Signale | Relevanz, Links, Nutzerverhalten | Übereinstimmende Angaben über viele Quellen, klare Antworten, vertrauenswürdige Erwähnungen |
| Inhalte | Auf Suchbegriffe ausgerichtet | Auf Fragen ausgerichtet, mit direkter Antwort im ersten Absatz |
| Messung | Rankings, Klicks, Search Console | Quellennennungen in Search Console und Bing Webmaster Tools, Testfragen, KI-Besuche in der Webanalyse |
Warum viele Praxen in KI-Antworten fehlen
- Widersprüchliche Stammdaten: Alte Adresse bei einem Arztportal, abweichende Telefonnummer im Google-Profil, ein Arzt, der die Praxis längst verlassen hat.
- Leistungen ohne eigene Seite: Wenn eine Behandlung nur in einer Aufzählung vorkommt, gibt es nichts, worauf sich eine KI-Antwort stützen kann.
- Unsichtbare Ärzt:innen: Namen ohne Facharztbezeichnung, Schwerpunkte und Werdegang liefern keine Belege für Expertise.
- Wenige Erwähnungen außerhalb der eigenen Website: Keine Presse, keine Fachgesellschaft, keine Kooperationspartner, die auf die Praxis verweisen.
- Wenige oder alte Bewertungen: Bewertungen gehören zu den Quellen, die KI-Systeme bei der Auswahl lokaler Anbieter heranziehen.
Acht Maßnahmen für mehr Sichtbarkeit in der KI-Suche
- Stammdaten vereinheitlichen: Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten und Ärzt:innen identisch im Google-Profil, bei Bing Places, Apple Maps, den relevanten Arztportalen und auf der Website.
- Fragen im ersten Absatz beantworten: Jede Leistungsseite beginnt mit einer klaren Antwort darauf, was angeboten wird, für wen und wo. Details folgen danach.
- Ärzt:innen als Personen zeigen: Eigene Profilseite mit Facharztbezeichnung, Schwerpunkten, Werdegang, Mitgliedschaften und Links zu externen Profilen.
- Strukturierte Daten nutzen: Auszeichnungen nach Schema.org wie MedicalClinic, Physician und MedicalProcedure machen Einrichtung, Personen und Leistungen maschinenlesbar.
- Erwähnungen aufbauen: Beiträge in der lokalen Presse, Einträge bei Fachgesellschaften, Kooperationen und Vorträge schaffen unabhängige Quellen.
- Bewertungen kontinuierlich sammeln: Eine feste Routine nach dem Termin sorgt für aktuelle Bewertungen auf den Plattformen, die KI-Systeme auswerten.
- Bing mitdenken: ChatGPT greift für die Websuche unter anderem auf Bing zurück. Bing Webmaster Tools und Bing Places sind schnell eingerichtet und werden oft vergessen.
- OAI-SearchBot zulassen: Der Crawler von OpenAI erfasst Websites für die Suche in ChatGPT. Blockiert die robots.txt oder ein Sicherheits-Plugin ihn, kann ChatGPT die Website nicht als Quelle nutzen. Ein kurzer Blick in die robots.txt genügt.
Das Heilmittelwerbegesetz gilt auch hier. Superlative und Erfolgsversprechen machen eine Seite für KI-Systeme nicht zitierfähiger und bleiben rechtlich problematisch. Worauf es bei Texten ankommt, steht in 10 Fehler bei medizinischen Landingpage-Texten.
Wie Ihr Sichtbarkeit in der KI-Suche messt
Eine einzelne Kennzahl für KI-Sichtbarkeit gibt es nicht. Jede Plattform liefert nur einen Ausschnitt, und viele Besuche aus KI-Diensten erscheinen in der Webanalyse gar nicht als solche. Ein belastbares Bild entsteht erst, wenn Ihr mehrere Quellen zusammenführt.
1. Google Search Console: Nennungen in AI Overviews und AI Mode
Seit 2026 hat die Search Console unter „Leistung“ einen eigenen Bericht „Auf generativer KI basierende Funktion“. Er zählt, wie oft eine URL Eurer Website als Quelle in einer AI Overview oder im AI Mode erscheint, aufgeschlüsselt nach Seite, Land, Gerät und Datum. Ein eingeklappter Quellenlink zählt erst, wenn jemand ihn aufklappt. Klicks, Position und Suchanfragen enthält der Bericht bisher nicht. Ihr seht also, welche Seiten Google als Quelle heranzieht. Wie viele Patient:innen danach auf Eure Website kommen, zeigt er nicht. Bei Websites mit sehr wenigen Nennungen erscheint der Bericht unter Umständen noch gar nicht.
2. Bing Webmaster Tools: Zitate in Copilot
Microsoft bietet in den Bing Webmaster Tools den Bericht „AI Performance“. Er zeigt, wie oft Seiten Eurer Website in Microsoft Copilot, in den KI-Zusammenfassungen von Bing und bei ausgewählten Partnern zitiert wurden, dazu die Suchanfragen, auf die sich die Antworten stützen. Klickzahlen fehlen auch hier. Wer die Bing Webmaster Tools noch nicht eingerichtet hat, hat damit einen weiteren Grund.
3. Feste Testfragen in ChatGPT, Perplexity und Gemini
Für ChatGPT, Perplexity und Gemini gibt es keine Berichte für Website-Betreiber. Hier helfen feste Testfragen: Einmal im Monat dieselben zehn bis zwanzig Fragen stellen, etwa „Welche Praxis in [Stadt] behandelt [Leistung]?“, und festhalten, ob die Praxis genannt wird, an welcher Stelle, mit welchen Angaben und welche Quellen verlinkt sind.
KI-Antworten schwanken von Abfrage zu Abfrage und hängen von Standort, Verlauf und Modell ab. Stellt jede Frage deshalb mehrmals, am besten in einem privaten Browserfenster ohne Anmeldung, und vergleicht die Ergebnisse über mehrere Monate. Eine einzelne Antwort sagt wenig aus. Bei vielen Fragen oder mehreren Standorten übernehmen spezialisierte Tools wie Peec AI, Otterly.AI oder das AI Toolkit von Semrush Abfragen automatisiert.
4. KI-Besuche in der Webanalyse
ChatGPT hängt an Links in seinen Antworten den Parameter Perplexity, Gemini, Copilot und Claude übergeben in vielen Fällen einen Referrer. In GA4 oder Matomo lässt sich daraus ein eigener Kanal „KI-Assistenten“ anlegen, etwa über einen regulären Ausdruck für chatgpt.com, perplexity.ai, gemini.google.com, copilot.microsoft.com und claude.ai.utm_source=chatgpt.com an.
Edit vom 15. Oktober 2026: Seit ein paar Tagen hängt ChatGPT den Parameter utm_source=chatgpt.com nicht mehr an seine Links. Über diesen Parameter lassen sich Besuche aus ChatGPT also nicht mehr erkennen. Wer seinen Kanal „KI-Assistenten“ darauf aufgebaut hat, sieht ab Anfang Oktober einen Einbruch. Das heißt aber nicht, dass weniger Leute aus ChatGPT kommen. Ältere Besuche mit dem Parameter bleiben in Euren Daten erhalten. Für neue Besuche zählt nur noch der Referrer chatgpt.com, sofern der Browser ihn mitschickt.
Die Zahl ist eine Untergrenze. Aus Apps und Desktop-Programmen kommen viele Besuche ohne Referrer an und landen unter „Direkt“. Klicks aus AI Overviews und dem AI Mode zählt Google zur normalen Google-Suche, in der Webanalyse lassen sie sich davon nicht trennen. Dazu kommen Besuche, die ohne Einwilligung im Consent-Banner gar nicht erfasst werden.
5. Server-Logfiles
Ruft ChatGPT eine Seite live ab, um eine Frage zu beantworten, erscheint im Server-Log der User-Agent ChatGPT-User, bei Perplexity Perplexity-User. Steigende Abrufe zeigen, dass Eure Seiten als Quelle genutzt werden, auch wenn niemand klickt. Viele Hoster stellen die Logfiles im Kundenbereich bereit.
6. Bei Patient:innen nachfragen
Im Kontaktformular, bei der Online-Terminbuchung oder am Telefon fragen, wie Patient:innen auf die Praxis aufmerksam geworden sind, mit „ChatGPT oder andere KI“ als eigener Antwortoption. Diese Quelle ist ungenau, erfasst aber genau die Fälle, die in keiner Statistik auftauchen.
Keine dieser Quellen ist für sich vollständig. Zusammen zeigen sie, ob Eure Sichtbarkeit in der KI-Suche wächst und welche Seiten dazu beitragen.
Volle Transparenz: Mit dieser Website mache ich gerade denselben Versuch. Ziel ist, bei Fragen nach Spezialist:innen für Healthcare Marketing genannt zu werden. Die Ergebnisse teile ich hier und auf LinkedIn.
Meine Diagnose
KI-Suche belohnt dieselben Dinge, die Patient:innen schätzen: klare Antworten, erkennbare Fachpersonen und verlässliche Angaben. Praxen, die ihre Stammdaten bereinigen, ihre Leistungen verständlich erklären und ihre Ärzt:innen sichtbar machen, werden in KI-Antworten häufiger genannt.
Wenn Ihr wissen wollt, was ChatGPT heute über Eure Praxis sagt, schreibt mir über die Kontaktseite.
FAQ
Häufige Fragen zur Sichtbarkeit von Praxen in der KI-Suche
Wie kommt meine Praxis in ChatGPT-Antworten?
ChatGPT nennt Praxen, die es in mehreren vertrauenswürdigen Quellen übereinstimmend findet. Hilfreich sind einheitliche Stammdaten auf Google, Bing und Arztportalen, Leistungsseiten mit direkten Antworten, sichtbare Ärzt:innen mit Qualifikation, strukturierte Daten, aktuelle Bewertungen und Erwähnungen in unabhängigen Quellen.
Was ist GEO?
GEO steht für Generative Engine Optimization. Gemeint ist die Optimierung von Inhalten und Online-Präsenz, damit KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Gemini und die AI Overviews von Google eine Einrichtung oder Person in ihren Antworten nennen und zitieren.
Ersetzt GEO die Suchmaschinenoptimierung?
Nein. GEO baut auf SEO auf. KI-Systeme greifen auf Suchindizes zurück, und Seiten, die dort schlecht abschneiden, werden auch in KI-Antworten selten genannt. GEO ergänzt SEO um die Konsistenz über viele Quellen und klar formulierte Antworten.
Welche strukturierten Daten sind für Arztpraxen sinnvoll?
Typen nach Schema.org wie MedicalClinic oder Physician für die Einrichtung und die Ärzt:innen, MedicalProcedure für Leistungen und Angaben zu Autor:innen und Prüfdatum für medizinische Inhalte. Wichtig ist, dass die Auszeichnung mit den sichtbaren Inhalten übereinstimmt.
Wie misst man die Sichtbarkeit in der KI-Suche?
Über mehrere Quellen: Die Google Search Console zeigt Nennungen in AI Overviews und im AI Mode, die Bing Webmaster Tools Zitate in Copilot. Für ChatGPT, Perplexity und Gemini helfen regelmäßige Testfragen. Dazu kommen KI-Besuche in der Webanalyse, die Abrufe durch KI-Dienste in den Server-Logfiles und die Frage an neue Patient:innen, wie sie auf die Praxis aufmerksam geworden sind.
